Solar Return - Jenny Pickett & Julien Ottavi
BLOOMS
Performance
Clubraum / Sa, 22:00 - 22:45


Corona-Beschränkung:
Diese Performance kann nur mit vorheriger Anmeldung besucht werden. Anmeldung unter moreless@stwst.at



Nach dem Anthropozän erhebt sich das Ctenocene! BLOOMS ist eine Performance, die mit elektronischen DIY-Instrumenten futuristisch-dystopische Klanglandschaften erforscht, indem sie sich der Ökologie der Meere und einer Invasion der Quallen widmet.




Blooms performance with Solar Return is Saturday the 12th of September at 10pm (CET) at STWST.

If you want to manipulate in real time the performance download purr-data and the controler patch here!

To listen directly Blooms here: http://apo33.org:8000/blooms.m3u

Available Android apps (one neuron app) – http://apo33.org/pub/android/blooms092020/ each app will control some part of the JellySynth performance.

To use the app, download the .apk and install it on your phone. Play with the one neuron jellysynth app. There is 11 apps in total to create a blooms during the performance!! The performance will also be available live on facebook.



Solar Return, alias Jenny Pickett und Julien Ottavi, haben einen Prototyp für ein elektronisches Instrument und eine Performance entwickelt, die das Paradigma des Ctenocene anhand der Zunahme von Quallen erforscht:

„Quallen gedeihen durch das Chaos, das Menschen erschaffen. Überfischung beseitigt ihre Konkurrenten und die Raubfische; wärmeres Wasser aufgrund des Klimawandels begünstigt die Ausbreitung einiger Quallen; die Verschmutzung durch Düngemittel führt dazu, dass der Ozean seinen Sauerstoff verliert, wogegen Quallen einzigartig tolerant sind; Die Entwicklung an den Küsten bietet bequemen, sicheren Lebensraum. Darüber hinaus eröffnet die Einschleppung von Arten, die durch die Schiffe des Welthandels geschieht, diesen superanpassungsfähigen Tieren neue, anfällige Ökosysteme“.

Ausgehend von der Idee eines Quallen-Sensoriums als Warnsystem und Ausgangspunkt wurden diese DIY-Instrumente und eine Komposition für BLOOMS entwickelt. Quallen bestehen aus einem riesigen Nervensystem, das wir uns für unsere Performance als eine Art Audio-Synthesizer vorgestellt haben. Die Performance erforscht chaotische Muster und nutzt absurde elektronische Schaltkreise, um autonome modulare Instrumente herzustellen, die den Raum durch die Erzeugung von Klang, Licht und Bewegung beeinflussen. Die spezifische Virtuosität dieser Instrumente entsteht durch Berührung: Die „Jelly-Synths“ werden mit taktilen Gesten und Berührungen auf Messingdrähten gespielt, die sowohl auf den Schweiß als auch auf den Druck der Haut reagieren.


Background
Die Quallen, die sich wie synchronisierte Blüten über die Ozeane bewegen, sind eine Einheit, die vollständig in Symbiose mit ihrer Umgebung steht, ihre Masse und ihr Wachstum spiegeln direkt ihre Umgebung wider. Quallen sind wichtige und oftmals auch auffällige Bestandteile von Ökosystemen: Vor einigen Jahren stießen Jenny Pickett und Julien Ottavi auf Hunderte von Quallen, die in den Sandbänken der Loire-Mündung vergraben waren. Das Projekt entstand aus dieser Begegnung und der Beobachtung dieses Phänomens, das in europäischen Gewässern und anderswo mit zunehmender Regelmäßigkeit auftritt. Die explosionsartig ansteigende Vermehrung der Quallen ist ein weltweites Phänomen.

MORE
In einigen Gebieten des Planeten haben Fischer keinen Zugang mehr zu Fisch, wo etwa Invasionen von Quallen das Wasser ersticken. Kraftwerke wurden wegen Quallen abgeschaltet. Im Jahr 2013 musste das schwedische Kernkraftwerk Oskarshamn, das 10% der Energie des Landes liefert, einen seiner drei Reaktoren abschalten, nachdem Quallen die Rohrleitungen seines Kühlsystems verstopft hatte. Der Eindringling war eine Kreatur namens Mondqualle, sie besteht zu 95% aus Wasser und hat kein Gehirn. Keine Umstände, die man an sich als bedrohlich bezeichnen könnte, wenn man es nur mit einer oder zwei zu tun hätte. Quallen sind allerdings kein neues Problem für Kernkraftwerke. Im Jahr 2012 musste die Anlage Diablo Canyon in Kalifornien ihren Reaktor 2 schließen, nachdem ein gallertartiger, quallenähnlicher Organismus die Ansaugrohre verstopft hatte. Im Jahr 2005 wurde der erste Block in Oskarshamn wegen eines plötzlichen Einströmens von Quallen vorübergehend abgeschaltet.

LESS
Menschen beherrschen und zerstören die Umwelt. Wir könnten uns vorstellen, dass Quallen versuchen, der Eskalation menschlicher Kräfte entgegenzuwirken. Sie haben unsere Energieerzeugungsanlagen blockiert und unsere „massenhafte kommerzielle Fischereiausbeutung“ gestoppt. Doch sie vermehren sich auch wie ein Virus, stellen eine Bedrohung für die Menschen dar. Die Natur ist erstaunlich und Wissenschaftler verstehen nicht wirklich, was mit den Quallen geschieht. Wir alle führen das auf die globale Erwärmung zurück, aber…

DAS CTENOCENE
Die Verbreitung von Quallen scheint zum großen Teil mit dem Einfluss des Menschen auf die Ozeane zusammenzuhängen. Dies könnte eine neue Weltordnung herbeiführen, in der von Quallen ausgelöste Katastrophen die Weltwirtschaft potenziell verheeren könnten. (Wenn das nicht schon durch die aktuelle Covid-19-Krise auf andere Art geschehen ist).


Solar Return wurde 2009 von den in Nantes lebenden KünstlerInnen Jenny Pickett und Julien Ottavi gegründet. Sie nutzen elektromagnetische Phänomene als Ausgangspunkt für ihre Audioarbeiten. Verschiedene Scores für duale Audiosynthesizer/Oszillatoren/DIY-Elektronik usw reflektieren Patterns und elektromagnetische Ereignisse wie Sonneneruptionen, innerstädtischen Mobilfunk sowie alle Sounds zwischen der Welt der Küchengeräte und dem unergründlichen Klang des Kosmos. Das Duo taucht in Frequenzen, Statik und Klang als physische Erfahrung ein. Die beiden sind bei verschiedenen Veranstaltungen und Festivals in Berlin, London, Nantes, Marseille, New York City, Rotterdam, Brüssel, Washington DC…etc. aufgetreten. http://jennypickett.art, http://noiser.org